Nichts zu holen am Mäuseturm
Yanhua Xu (Foto: Volker Arnold)

Nichts zu holen am Mäuseturm

In ihren 22 Jahren 1. Bundesliga hat die SV Böblingen noch nie ein Spiel gewonnen, wenn Qianhong Gotsch nicht dabei war. So auch diesmal, mit 6:2 setzte sich Gastgeber TTG Bingen/Münster-Sarmsheim gegen die SVB durch.

Gespielt wurde in der Sporthalle der Grundschule „Am Mäuseturm“, die allerdings vom Binger Mäuseturm so weit entfernt liegt wie die Böblinger Halle vom Wasserturm auf der Waldburg. Auf Böblinger Seite ohne Spitzenspielerin Qianhong Gotsch, die aufgrund der Corona-Lage nicht reisen wollte. Los ging es mit der Partie Chantal Mantz gegen Annett Kaufmann, gleich ein Kracher. Bingens 24-Jährige Nationalspielerin gegen die beste 14-Jährige Europas. Annett Kaufmann überraschte die Bingerin gleich im ersten Satz mit ihrem Angriffswirbel. Der zweite dann für Mantz, der dritte für Kaufmann. Dramatik im vierten Satz. Die Böblingerin führte 5:0 und 8:4, doch Chantal Mantz konnte nochmals ausgleichen. Dann ein nervenstarkes 11:9 für Annett Kaufmann und gleich ein sensationeller Sieg in ihrem ersten Einsatz am Bundesliga-Spitzenpaarkreuz.
Anschließend gratulierte Xu Yanhua wegen ihrer Knie-Verletzung kampflos. Alexandra Kaufmann spielte einen starken zweiten Satz gegen die Tschechin Katerina Tomanovska, mehr war für die Böblingerin nicht drin.  Mitsuki Yoshida traf auf die 24-Jährige Karolina Mynarova, Bingens Neuzugang zur Winterpause vom Zweitligisten Füchse Berlin. Mynarova war am Vortag Matchwinnerin für Bingen gegen Weil, eine schwere Aufgabe also für Böblingens Japanerin. 1:1 hieß es nach Sätzen, beim 10:5 im dritten hatte Yoshida alles im Griff. Plötzlich 10:10, doch die Böblingerin blieb ruhig und gewann 12:10. Das war die Vorentscheidung, denn der vierte Satz war eine klare Sache für Mitsuki Yoshida. 2:2 zur Halbzeit, das sah richtig gut aus für die ersatzgeschwächten Böblingerinnen.
Die zweite Halbzeit war dann eine klare Sache für Bingen. Die Böblingerinnen Annett Kaufmann und Mitsuki Yoshida verloren im Gleichschritt ihre ersten beiden Sätze gegen Giorgia Piccolin beziehungsweise Katerina Tomanovska. Die dritten gewannen sie, ebenfalls fast gleichzeitig. Im vierten Satz konnte Annett Kaufmann gegen die italienische Nationalspielerin jederzeit mithalten, am Ende aber ein 9:11 nicht vermeiden. Mitsuki Yoshida wehrte gegen Katerina Tomanovska noch drei Matchbälle ab, musste dann aber beim 13:15 ebenfalls gratulieren. Alexandra Kaufmann hatte mit 11:4 einen Traumstart gegen Karolina Myrnova. Der zweite Satz ging an Myrnova, der dritte auch, aber mit 13:11 äußerst knapp. Genauso wie der vierte, Alexandra Kaufmann wartet weiter auf ihren ersten Saisonsieg.
6:2 der Endstand für Bingen, es war die vierte Niederlage in Folge für den Ex-Tabellenführer, in zwei Wochen geht es zu Champions-League-Sieger Berlin. „Annett war herausragend, Mitsuki stark gegen Bingens Neuzugang. Alex hat ein gutes zweites Einzel gespielt. Mehr war unter diesen personellen Voraussetzungen heute nicht drin. Wir kämpfen, wir haben Spaß am Spiel. Wichtig ist, dass wir in Corona-Zeiten unsere Match-Praxis behalten“, fasste SVB-Trainer Volker Ziegler das Geschehen zusammen.
Die Ergebnisse (Bingen zuerst genannt): Mantz – Annett Kaufmann 1:3, Piccolin – Xu 3:0 kampflos, Tomanovska – Alexandra Kaufmann 3:1, Mynarova – Yoshida 1:3, Mantz – Xu 3:0 kampflos, Piccolin – Annett Kaufmann 3:1, Tomanovska – Yoshida 3:1, Mynarova – Alexandra Kaufmann 3:1.